Shopify oder Shopware: Die Frage wird oft wie ein Glaubenskrieg geführt. Dabei sind beide gute Systeme, nur für unterschiedliche Firmen. Dieser Vergleich zeigt, worin sie sich unterscheiden und welche Fragen Sie beantworten sollten, bevor Sie sich entscheiden. Ohne Preise, dafür mit Quellen.
Kurz beantwortet
- Shopify ist eine gemietete Plattform: schnell startklar, Betrieb und Updates beim Anbieter, Anpassungen über Apps und Themes.
- Shopware ist Open Source aus Deutschland: selbst betrieben oder als Cloud-Variante, mit vollem Zugriff auf den Code.
- B2B können beide, Shopware mit mehr Funktionen in den höheren Plänen.
- Datenstandort: Shopify überträgt Daten nach Kanada und in die USA, Shopware SaaS läuft in Frankfurt, selbst betriebenes Shopware dort, wo Sie wollen.
- TWINT, bexio und Abacus lassen sich an beide anbinden.
Der Vergleich auf einen Blick
| Shopify | Shopware | |
|---|---|---|
| Anbieter | Shopify Inc., Ottawa (Kanada). Vertragspartner für Händler in Europa, Nahost und Afrika, also auch in der Schweiz, ist Shopify International Limited (Irland). | shopware AG, Schöppingen (Deutschland) |
| Betriebsmodell | Gehostete Plattform, kein eigener Server | Community Edition unter MIT-Lizenz zum Selbstbetrieb, dazu PaaS und SaaS von Shopware |
| Pläne (Namen) | Basic, Grow, Advanced, Plus | Community Edition, Rise, Evolve, Beyond |
| Datenstandort | Daten aus EWR, UK und Schweiz zuerst nach Irland, von dort nach Kanada und in die USA | SaaS in Frankfurt; selbst betrieben dort, wo Sie hosten |
| Anpassbarkeit | Apps und Themes; erweiterte Anpassung der Kasse nur in Plus | Voller Codezugriff beim Selbstbetrieb; Rule Builder und Flow Builder |
| B2B | Shopify B2B in Basic, Grow, Advanced und Plus, Umfang je nach Plan | B2B Components in Evolve und Beyond |
| Sprachen und Währungen | Shopify Markets: Sprachen und Domains pro Markt; mehrere Währungen nur mit Shopify Payments | Pro Verkaufskanal mehrere Sprachen, Währungen und Domains |
| Erweiterungen | Laut Shopify über 16 000 Apps | Shopware Store mit Erweiterungen von Shopware und Partnern |
| Betrieb und Updates | beim Anbieter | beim Selbstbetrieb bei Ihnen oder Ihrem Partner, bei SaaS bei Shopware |
Quellen: Shopify Terms of Service · Shopify Privacy Policy · Shopify Schweiz: Pläne · Shopify Help Center: Checkout anpassen · Shopify Help Center: Shopify B2B · Shopify Help Center: International domains · Shopify Help Center: Localization and translation · Shopify App Store · shopware AG: Impressum · Shopware: Pläne · Shopware: Open Source · Shopware: Privacy und Unterauftragsverarbeiter · Shopware: B2B Components · Shopware Docs: Sales Channel
Wann Shopify passt
Shopify ist stark, wenn Sie schnell verkaufen wollen und Ihre Abläufe dem Standard entsprechen. Server, Sicherheit und Updates sind Sache des Anbieters. Für fast jede Zusatzfunktion gibt es eine App, und mit Shopify Markets lassen sich Sprachen und Domains pro Markt einrichten, etwa Deutsch und Französisch für die Schweiz. Für einfache Automatisierungen gibt es Shopify Flow, laut Shopify in den Plänen Basic, Grow, Advanced und Plus.
Die Kehrseite: Sie arbeiten in den Grenzen der Plattform. Die Kasse lässt sich in den Plänen unter Plus nur begrenzt anpassen. Jede App ist ein weiterer Dienst mit eigenen Bedingungen und eigenem Datenzugriff. Und mehrere Währungen gibt es laut Shopify nur mit Shopify Payments.
Quellen: Shopify Help Center: Shopify Flow · Shopify Help Center: Checkout anpassen · Shopify Help Center: International domains
Typisch passend: B2C-Shop mit überschaubarem Sortiment, kleines Team ohne eigene Technik, Standardabläufe von der Bestellung bis zum Versand.
Wann Shopware passt
Shopware ist stark, wenn Ihre Abläufe vom Standard abweichen oder wenn Sie Kontrolle über Code und Datenstandort brauchen. Die Community Edition steht unter der MIT-Lizenz und läuft auf einem Server Ihrer Wahl. Mit dem Rule Builder lassen sich Preise, Versand und Zahlungsarten an Regeln knüpfen, mit dem Flow Builder Geschäftsabläufe ohne Programmierung automatisieren. Einige Flow-Funktionen hängen am Plan, etwa der Aufruf externer Adressen per Webhook ab Evolve. Für B2B bringen die Pläne Evolve und Beyond die B2B Components mit, darunter Angebote, Freigaben, Budgets, Rollen und Rechte sowie Schnellbestellung.
Die Kehrseite: Beim Selbstbetrieb liegen Hosting, Updates und Sicherheit bei Ihnen oder Ihrem Partner. Das ist planbar, muss aber geplant werden.
Quellen: Shopware Docs: Rule Builder · Shopware Docs: Flow Builder · Shopware: B2B Components
Typisch passend: B2B oder B2B und B2C gemischt, viele Varianten und Kundenpreise, Anbindung an ein ERP mit eigenen Regeln, Wunsch nach Hosting an einem bestimmten Ort.
Datenstandort, nüchtern betrachtet
Nach dem Schweizer Datenschutzgesetz ist die Bekanntgabe in Staaten mit angemessenem Schutz zulässig, dazu zählen Deutschland und die EU. Für die USA gilt das nur bei Unternehmen, die unter dem Swiss-U.S. Data Privacy Framework zertifiziert sind, sonst braucht es zusätzliche Garantien. Was das allgemein bedeutet, erklärt der Ratgeber DSG und DSGVO: Was für KI in Schweizer KMU gilt.
Konkret für die beiden Plattformen:
- Shopify überträgt Personendaten aus der Schweiz laut Datenschutzerklärung zuerst an die irische Gesellschaft und von dort nach Kanada und in die USA. Für Kundendaten der Händler ist Shopify Auftragsverarbeiter und stützt Übermittlungen laut Datenverarbeitungszusatz auf verbindliche interne Datenschutzregeln, auf Standardvertragsklauseln, auch in einer an das Schweizer Recht angepassten Fassung, und auf den Angemessenheitsbeschluss der EU für Kanada.
- Shopware betreibt die SaaS-Variante laut Liste der Unterauftragsverarbeiter in Frankfurt. Für eine PaaS-Variante nennt die Liste ebenfalls Frankfurt, mit Dublin als Notfall-Standort. Beim Selbstbetrieb bestimmen Sie den Standort selbst, auch in der Schweiz.
Quellen: Shopify Privacy Policy · Shopify Data Processing Addendum · Shopware: Privacy und Unterauftragsverarbeiter · EDÖB: Swiss-U.S. Data Privacy Framework
Ob diese Garantien für Ihren Fall genügen, beurteilt Ihre Datenschutzberatung. Für die meisten Shops mit normalen Kundendaten ist beides machbar. Für Shops mit sensiblen Daten, etwa im Gesundheitsbereich, kann der Datenstandort den Ausschlag geben.
Die Schweizer Systeme
| Schweizer Baustein | Shopify | Shopware |
|---|---|---|
| TWINT | Über Shopify Payments (nur Kunden in der Schweiz, in Franken, keine Abos) oder über Zahlungsdienstleister | Plugin der TWINT AG für Shopware 6.5 bis 6.7, inklusive Express Checkout, oder Plugins von Zahlungsdienstleistern |
| bexio | Apps im Shopify App Store, etwa von Helvy und Bedaya | Erweiterung «Bexio Integration» von Webwirkung im Shopware Store |
| Abacus | Connectoren im Abacus Marketplace, etwa pingify (Ping AG) und Shopify Connector (DevQon) | «Shopware Integration» (Webwirkung) im Abacus Marketplace |
Quellen: Shopify Help Center: TWINT · Shopware Store: TWINT Checkout · Shopify App Store: bexio (Helvy) · Shopify App Store: bexioSync · Shopware Store: Bexio Integration · Abacus Marketplace
Ein Hinweis für ältere Shops: Im Shopware Store gibt es Plugins für einzelne Schweizer Zahlungsdienstleister nur für Shopware 5, teils ausdrücklich ohne Nachfolger. Shopware 5 wurde laut Shopware bis Juli 2024 unterstützt, aktuell ist Shopware 6. Wer migriert, prüft deshalb auch die Zahlungsarten neu. Die Details zu den drei Bausteinen stehen in den Ratgebern TWINT im Onlineshop einbinden, bexio mit Shopify verbinden und Abacus-Schnittstelle zum Webshop.
Quellen: Shopware: How about Shopware 5? · Shopware: Release Notes
Kosten ohne Zahlen
Preise nennen wir nicht, aber die Kostenlogik unterscheidet sich, und die sollten Sie kennen:
- Shopify: monatlicher Plan, dazu Apps im Abo und Zahlungsgebühren. Wenig Aufwand für Betrieb, dafür laufende Kosten, die mit jeder App wachsen.
- Shopware selbst betrieben: Community Edition unter Open-Source-Lizenz, dafür Hosting, Updates, Sicherheit und Wartung in Ihrer Verantwortung. Für die B2B Components ein kommerzieller Plan.
- Shopware SaaS: Plan beim Anbieter, Betrieb inklusive.
Bei beiden gilt: Der grösste Posten ist selten die Plattform, sondern die Arbeit an Anbindungen, Daten und Abläufen.
Sieben Fragen vor der Entscheidung
- Verkaufen Sie an Private, an Firmen oder an beide?
- Wie viele Produkte, Varianten und Kundenpreise haben Sie?
- Welche Sprachen und Währungen brauchen Sie?
- Welche Systeme müssen angebunden werden, und wer führt welche Daten?
- Wo sollen die Daten liegen, und gibt es Branchenvorgaben?
- Wer betreut den Shop technisch, intern oder mit einem Partner?
- Wie sieht Ihr Shop in drei Jahren aus: mehr Kanäle, mehr Länder, mehr B2B?
Fazit
Shopify ist die bequeme Wahl für Standardabläufe und kleine Teams. Shopware ist die flexible Wahl für B2B, eigene Regeln und Kontrolle über den Datenstandort. Für beide gibt es TWINT, bexio und Abacus. Entscheidend ist nicht die Plattform, sondern wie gut sie zu Ihrem Ablauf passt. Den grösseren Rahmen beschreibt der Ratgeber Webshop erstellen lassen in der Schweiz. Wie wir Shops bauen, steht unter Onlineshop erstellen lassen, und wenn es eher ein Portal als ein Shop wird, unter Digitale Plattformen.






